Niederösterreich exportiert "unser Boden - wir stehen drauf!"

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In Niederösterreich wird der Ressource Boden nicht nur seit rund 13 Jahren besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht, das Thema wird auch auf vielfältige Weise in andere Länder „exportiert". Ein neues Projekt, das den gesamten Donauraum mit seinen 100 Millionen Menschen ansprechen soll, steht nun in den Startlöchern.

 

Im Bundesland Niederösterreich hat man bereits vor geraumer Zeit erkannt, dass der Boden eine - um nicht zu sagen die - grundlegende Ressource sowie die primäre Produktionsgrundlage allen Wirtschaftens ist. Darum ist das Land bereits 2003 dem Europäischen Bodenbündnis beigetreten, in dem Niederösterreich heute mit 70 Gemeinden und 15 Organisationen die höchste  Dichte an Mitgliedern hat. Weiters hat Niederösterreich 2007 als erstes  Bundesland eine eigene Boden-Kampagne mit dem Titel „Unser Boden - wir stehen drauf!" und dem Motto „Sinnvoll nützen, sorgsam schützen" gestartet und umgesetzt. Bei dieser Kampagne geht es insbesondere sowohl um die Bodenqualität als auch um den sparsamen Umgang mit Böden. Bodennetzwerk Von Niederösterreich ausgehend ist auch das SONDAR (Soil Network in the Danube Region) Bodennetzwerk im Donauraum entstanden.

Über SONDAR wurde die blau-gelbe Boden-Kampagne auch in die Nachbarländer Tschechien, Slowakei und Ungarn „exportiert". In diesem Rahmen arbeiten Kommunen gemeinsam mit Wissenschafterinnen und Wissenschaftern schwerpunktmäßig an Themen wie „Boden als Indikator für Hochwasserschutz", „Maßnahmen zur Reduktion der Bodenerosion" und „Boden als Filter für Schadstoffe und als Speicher von Kohlenstoff".

Das Thema Hochwasser wird dabei gemeinsam mit der Slowakei, das Thema Bodenerosion gemeinsam mit Tschechien und das Thema Boden als Filter bzw. Speicher gemeinsam mit Ungarn behandelt und bearbeitet. In jedem der drei Nachbarländer wurde zur Vernetzung dieser Themen eine nationale Koordinierungsstelle aufgebaut, in Österreich haben sich das Universitäts- und Forschungszentrum Tulln, das Bundesamt für Wasserwirtschaft in Petzenkirchen und die Bioforschung Austria in Wien zu Bodenschutz-Forschungszentren entwickelt.

Sämtliche EU-Projekte zum Thema Boden werden - in enger Abstimmung mit Generalsekretär Peter de Martin von der Arbeitsgemeinschaft Donauländer - durch das Boden- und Nachhaltigkeitsnetzwerk BIENE durchgeführt. Der Verein hat seinen Sitz in Eschenau im Bezirk Lilienfeld und ist Leadpartner aller Projekte. Charta, Kunst und Typenkarte Eine andere Initiative, die in Sachen Boden von Niederösterreich aus gestartet wurde, ist eine Bodencharta, die 2014 von Landesrat Dr. Stephan Pernkopf und Landwirtschaftskammer- Präsident Ing. Hermann Schultes präsentiert und 2015, im „Internationalen Jahr des Bodens", umgesetzt wurde.

Das blau-gelbe Motto „Unser Boden - Sinnvoll nützen, sorgsam schützen" stand auch für diese Charta Pate. Bei diesem „Bündnis gegen den Flächenverbrauch", das auch vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, dem Österreichischen Gemeindebund, dem Umweltbundesamt u.a. getragen wird, geht es um Bewusstseinsbildung, die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich Bodenverbrauch, die Beachtung des Bodenschutzes bei Großprojekten sowie um die Belebung von Ortskernen und die Nutzung von Leerflächen. „Gerade was die Bewusstseinsbildung betrifft, hat "Unser Boden - wir stehen drauf!' einen international beachteten Beitrag geliefert", sagt Dr. Erwin Szlezak, Leiter des Fachbereiches Bodenschutz in der NÖ Agrarbezirksbehörde.

Insgesamt konnten in den vergangenen Jahren über 100.000 Menschen erreicht werden. Der Großteil davon sind junge Menschen  die sich spielerisch und kreativ mit dem Thema Bodenkunst beschäftigten. So haben unter dem Motto „Malen mit den Farben der Erde" Schülerinnen und Schüler aus ganz Europa Kunstwerke gefertigt, die als Ausstellung durch den Donauraum wandern.

Zudem finden unter künstlerischer Leitung von Irena Racek regelmäßig Mulitplikatorschulungen zum Thema Bodenkunst statt. Eine weitere Aktion, die Niederösterreichs Aktivität in Sachen Boden und Bodenschutz deutlich vor Augen führt, ist eine von der NÖ Agrarbezirksbehörde / Fachabteilung Landentwicklung erstellte Bodentypenkarte von Niederösterreich. Damit steht nun erstmals eine gemeinsame Karte für den land- und forstwirtschaftlichen Boden im Bundesland (als Druckversion auf www.unserboden.at) zur Verfügung.

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Sondar+

Das  aktuellste von Niederösterreich ausgehende Boden-Projekt trägt den Namen  SONDAR+ (Soil- and Sustainable-Operations Network in the Danube Region),  wobei das Plus für Nachhaltigkeit und damit eine entsprechende Erweiterung des  bisherigen SONDAR-Projekts steht.

Das neue Vorhaben, das von 2017 bis  2020 angesetzt ist, soll nunmehr den gesamten Donauraum erfassen, neben den  bereits genannten Donauländern fungieren künftig auch Kroatien und Rumänien als Projektpartner. Das Projekt fußt auf der bestehenden  Partnerschaft innerhalb der ARGE Donauländer bzw. auf SONDAR-Projekten von  insgesamt 17 tschechischen, slowakischen, ungarischen und  österreichischen Institutionen; geführt und unterstützt wird auch dieses  länderübergreifende Projekt vom Boden- und Nachhaltigkeitsnetzwerk BIENE,  das von Ing. Franz Rennhofer, Franz Rybaczek und Michael Singraber geleitet  wird.

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Bio-Korridor Boden

Das geplante Vorhaben soll die Nachhaltigkeits- Aktivitäten zwischen Wissenschaft, lokalen und regionalen Allianzen, Schulen  und der Öffentlichkeit in den Donauländern stärken bzw. weitere internationale  Partnerschaften im Forschungsbereich und die Implementierung konkreter  Maßnahmen bringen. Dabei will man Strategien und Aktionen entwickeln, um  den Bio-Korridor „Boden" in der Donauregion zu stärken.

Auch die  Bewusstseinsbildung und Verbesserung des Wissensstandes der Menschen über  das Thema Bodenschutz stellen wichtige Bausteine der Initiative dar. Durch  intensive Kooperation und Kommunikation mit zahlreichen wichtigen Partnern  erwarten sich die Verantwortlichen schließlich einen noch größeren Erfolg im  Bereich Bodenschutz und Nachhaltigkeit.

Das SONDAR+ Netzwerk soll die  Zusammenarbeit von Akteuren aus Wissenschaft und Praxis, Verwaltung und  Landwirtschaft stärken und helfen, praktische Ergebnisse zum Nützen und  Schützen des Bodens in allen Donauregionen zu verbreiten. So sollen etwa nach  dem Vorbild der NÖ Bodenschutzanlagen mehrere 100 Hektar  multifunktionale Biotopverbundsysteme geschaffen werden.

Der Startschuss für  das neue Projekt SONDAR+ erfolgt bei der 23. Tagung des Arbeitskreises  Nachhaltigkeit der ARGE Donauländer am Mittwoch, 13., und Donnerstag, 14.  April, im Universitäts- und Forschungszentrum Tulln der Universität für  Bodenkultur Wien. Die wissenschaftliche Begleitung der Donauländertagung  erfolgt durch Dr. Walter Wenzel, Professor für Bodenschutz und  Bodenmanagement am BOKU-Standort Tulln.

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Quelle: Manuela Eichinger-Hesch in NÖ Perspektiven 1/2016

Fotos © NÖ Agrarbezirksbehörde - Landentwicklung

 


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